Ernährung während der Schwangerschaft

Schwangerschaft und Stillzeit umfassen einen ganz besonderen Zeitraum im Leben einer Frau. Während dieser Lebensabschnitte werden erhebliche Anforderungen an den weiblichen Organismus gestellt, denen unter anderem mit einer entsprechenden Ernährung als Grundlage für die optimale Funktionsfähigkeit des Körpers Rechnung getragen werden muss. Die Gesundheit von Mutter und Kind ist abhängig von der Lebens- und Ernährungsweise der Frau während der Schwangerschaft und der sich anschließenden Stillperiode. Eine optimale Ernährung sollte sich sowohl hinsichtlich der Energie- als auch der Nährstoffzufuhr den besonderen Bedürfnissen während dieser Lebensperiode anpassen, damit sie dem veränderten Bedarf gerecht wird.

Während der Schwangerschaft gehen im Körper der Frau tiefgreifende, hormonell gesteuerte Veränderungen vor sich. So erfordern das Wachstum des Kindes, der Plazenta und des mütterlichen Gewebes sowie eine Steigerung der Blutmenge und des Grundumsatzes eine ausreichende Energiezufuhr.

In der sich anschließenden Stillperiode ist eine ausreichende Energieaufnahme Basis für die Milchproduktion und -sekretion. Gleichzeitig ist natürlich auch der Nährstoffbedarf erhöht, insbesondere an Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen. Durch das Stillen erhält das Neugeborene nicht nur Nährstoffe und Energie, sondern wichtige Schutzstoffe, die sein Immunsystem unterstützen, die Abwehrkräfte steigern und das Allergierisiko verringern. Deshalb ist die Muttermilch nach wie vor die beste Nahrung für das Baby! Eine Stilldauer von 4-6 Monaten ist optimal.

“Für zwei “essen?

Immer wieder trifft man auch heute noch auf die überholte Ansicht, während der Schwangerschaft” müsse für zwei gegessen “, also mit der doppelten Menge ordentlich zugelangt werden. Dies ist jedoch ein Irrglaube: Ein entsprechendes Verhalten würde zu einer energetischen Überversorgung mit übermäßigem Gewichtsanstieg durch (überflüssige) Depotfettbildung führen, welche Gefahren für Mutter und Kind mit sich bringen kann. Denn der Energiebedarf ist während der Schwangerschaft de facto nur mäßig erhöht (s.u.). Dem gegenüber steht allerdings ein um teilweise bis zu 100% erhöhter Bedarf an einzelnen Nährstoffen (Vitamine/ Mineralstoffe). Es kommt also nicht in erster Linie auf die Menge der Nahrung an, sondern auf die richtige Zusammenstellung, die richtige Nahrungsmittelauswahl, um den erhöhten Nährstoffbedarf zu decken. Dies ist mit einer abwechslungsreichen, vollwertigen, gemischten Kost in der Regel weitgehend sichergestellt. Jedoch kann es bei einzelnen Nährstoffen (Jod, Eisen, Folsäure) dennoch zu Versorgungslücken kommen, auf die dann nach Absprache mit dem Gynäkologen reagiert werden muss.

Somit besteht das hauptsächliche Ernährungsproblem während Schwangerschaft und Stillzeit darin, mit nur gering erhöhter Energieaufnahme einen bei vielen Nährstoffen erheblich höheren Bedarf zu decken. Eine qualitativ hochwertige Ernährung durch Auswahl von Nahrungsmitteln mit hoher Nährstoffdichte ist also das Gebot der Stunde. Lebensmittel mit überwiegend” leeren Kalorien “sind zu meiden und durch nährstoffreiche zu ersetzen. Für die Ernährung gilt also: Klasse statt Masse! Leider wird diese Anforderung an die Ernährung in der Praxis häufig nicht erfüllt. Deshalb gehören Schwangere und Stillende zu den anfälligen Bevölkerungsgruppen hinsichtlich ihrer Nährstoffversorgung, bei denen leicht ein Mangel an einzelnen oder mehreren Nährstoffen – mit allen möglichen Konsequenzen für Mutter und Kind – entstehen kann.

Energiebedarf und Gewichtsverlauf während der Schwangerschaft

Energiebedarf

Laut” Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr (2000) “der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) beträgt der energetische Mehrbedarf einer Schwangeren lediglich 255 kcal pro Tag. Dabei geht die DGE von einem durchschnittlichen täglichen Energiebedarf junger normalgewichtiger Frauen (ohne extreme körperliche Betätigung) von etwa 2.300-2.400 kcal pro Tag aus. Das Plus von täglich 255 kcal während der Schwangerschaft bedeutet also nur einen Mehrbedarf von knapp 11% – das ist also in jedem Fall erheblich weniger als” das Doppelte “! Und dies ist schnell erreicht, denn 255 kcal sind beispielsweise schon in einer Scheibe Käsebrot, einem Stück Kuchen oder einem mageren Putenschnitzel mit Salat enthalten. Fazit:” Für zwei essen “heißt nicht” das Doppelte essen “!

Gewichtszunahme

Entsprechend der zusätzlich aufgenommenen Energiemenge verläuft die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft idealer Weise langsam und stetig. In den ersten Wochen und Monaten sollte die Waage nur eine leichte Tendenz nach oben zeigen. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel sollten Sie pro Woche ungefähr 300 g zunehmen und ab dem 6./7. Monat wöchentlich etwa 500 g. Insgesamt sollte die werdende Mutter bis zur Niederkunft idealer Weise ungefähr 10-12 kg zugenommen haben, vorausgesetzt, sie war vor der Schwangerschaft normalgewichtig. Hatten Sie Übergewicht, dann sollte die Gewichtszunahme eher geringer sein, denn Übergewicht und eine zu starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, erhöhen das Risiko der Mutter für Bluthochdruck und andere Schwangerschaftskomplikationen und können auch dem Kind schaden. Waren Sie vor der Schwangerschaft jedoch eher untergewichtig, so verhelfen ein paar Kilo mehr dem Kind zur besserem Entwicklung. Eine deutliche Unterschreitung der empfohlenen Gewichtszunahme führt erfahrungsgemäß zu einem zu niedrigen Geburtsgewicht des Kindes, zu einer geringeren Körpergröße und häufiger zu Fehlgeburten.
So verteilt sich das zusätzliche Gewicht in der normalen Schwangerschaft:
Kind 3.300 g
Gebärmutter 900 g
Nachgeburt 650 g
Fruchtwasser 800 g
Brüste 400 g
Blutvolumen 1.250 g
Gewebswasser 2.000 g
Depotfett 1.700 g
Summe: Gesamtzunahme ca. 11.000 g
Nährstoffbedarf während der Schwangerschaft

Dem nicht drastisch erhöhten Energiebedarf während der Schwangerschaft steht allerdings ein z.T. um 100% erhöhter Bedarf an einzelnen Nährstoffen gegenüber:
Vergleich der empfohlenen Zufuhr einzelner Nährstoffe pro Tag für Schwangere und Stillende mit der für junge Frauen allgemein (DGE 2000)
Nährstoff für junge Frauen, allgemein Schwangere und Stillende

Protein (g) 48 581 632
Eisen (mg) 15 30 20
Calcium (mg) 1.000 1.0003 1.0003
Jod (µg) 200 230 260
Zink (mg) 7 10 11
Magnesium (mg) 310 3109 390
Vitamin A (mg RÄ) 0,8 1,11 1,54
Vitamin D (µg) 5 5 5
Vitamin E (mg TÄ) 12 13 175
Thiamin (mg) 1,0 1,21 1,4
Riboflavin (mg) 1,2 1,51 1,6
Niacin (mg NÄ) 13 151 17
Vitamin B 6 (mg) 1,2 1,91 1,9
Folsäure (µg FÄ) 400 6006 600
Vitamin B 12 (µg) 3,0 3,5 4,07
Vitamin C (mg) 10010 110 1508

Anmerkungen

RÄ = Retinol-Äquivalente

TÄ = Tocopherol-Äquivalente

FÄ = Folsäure-Äquivalente

NÄ = Niacin-Äquivalente

Fußnoten

1   ab dem 4. Monat der Schwangerschaft

2   ca. 2 g Proteinzulage pro 100 g abgesonderte Milch

3   für Schwangere und Stillende < 19 Jahre jeweils 1200 mg 4 ca. 70 µg Retinol-Äquivalente-Zulage (RÄ) pro 100 g abgesonderte Milch

5   ca. 260 µg Tocopherol-Äquivalente-Zulage (TÄ) pro 100 g abgesonderte Milch

6   Frauen, die schwanger werden wollen oder können, sollten zusätzlich 400 µg synthetische Folsäure supplementieren zur Vorbeugung vor Neuralrohrdefekten. Beginn der Supplementierung  (wenn möglich) spätestens 4 Wochen vor Beginn der Schwangerschaft, mindestens über das erste Schwangerschaftsdrittel beibehalten.

7   ca. 0,13 µg Vitamin B 12-Zulage pro 100 g abgesonderte Milch

8   unter Berücksichtigung der mit 750 ml Frauenmilch abgesonderten Vitamin C-Menge

9   Schwangere < 19 Jahre 350 mg 10; Raucherinnen 150 mg
Eiweißbedarf

Eiweiß, auch Protein genannt, ist der wichtigste Baustein für die menschlichen Zellen und Bestandteil, der den Stoffwechsel steuernden Enzyme und Hormone. Hochwertiges Eiweiß wird deshalb vordringlich zum Aufbau eines neuen Lebewesens benötigt. Somit ist auch der Eiweißbedarf der werdenden Mutter während der Schwangerschaft erhöht. Das gilt auch für die Stillzeit, denn dann muss das Kind über die Muttermilch mit ausreichend Eiweiß versorgt werden, um wachsen und gedeihen zu können.

Um Mutter und Kind mit genügend hochwertigem Eiweiß zu versorgen, sollten auf dem Speiseplan Eiweißlieferanten sowohl tierischer als auch pflanzlicher Herkunft zu finden sein. Hochwertiges pflanzliches Eiweiß ist vor allem enthalten in

Getreideprodukten (möglichst Vollkorn),
ungeschältem Reis,
Hülsenfrüchten,
Gemüse,
Kartoffeln und
Nüssen.

Tierisches Eiweiß liefern dagegen

Milch und Milchprodukte,
mageres Fleisch
magerer Fisch sowie
Eier.

Zur optimalen Eiweißversorgung von Mutter und Kind sollte mindestens die Hälfte aus pflanzlichen Lebensmitteln stammen, der Rest aus mageren tierischen Produkten.

Während der Schwangerschaft (ab 4. Monat) erhöht sich der Eiweißbedarf einer Frau von etwa 48 g auf 58 g pro Tag. Das ist ein Mehrbedarf von fast 20 % und bedeutet, dass die werdende Mutter bei ihrer Nahrungsmittelauswahl sehr genau auf hochwertige Proteinlieferanten achten muss. Je abwechslungsreicher und gemischter die Kost ist, desto besser.

Während der Stillzeit ist der Eiweißbedarf sogar noch höher! Er liegt dann bei etwa 63 g täglich. Genauer gesagt, hängt der Eiweißbedarf von der abgegebenen Milchmenge ab: pro 100 ml Muttermilch werden zusätzlich 2 g Eiweiß benötigt. Am einfachsten decken Schwangere und Stillende ihren Eiweiß-Mehrbedarf über Vollkornprodukte, Joghurt, Buttermilch, Käse und (See-) Fisch.

Fettbedarf

Der Fettanteil in der Nahrung sollte normalerweise 30% der Energieaufnahme (= 30 kcal ) nicht überschreiten. Während der Schwangerschaft dürfen es ab dem 4. Monat auch bis 35 kcal  sein. Umgerechnet sind das allerdings nicht mehr als 70-90 g Fett pro Tag! Und die hat man schnell zusammen!

Wichtiger als ein ”Mehr“ an Fett ist für Schwangere und Stillende dagegen die richtige Auswahl der Nahrungsfette. Es gibt mehr oder weniger ”wertvolle“ Fette für unsere Ernährung – ausschlaggebend ist dabei die Zusammensetzung ihrer Fettsäuren. Es gibt einige ungesättigte Fettsäuren, die für uns lebensnotwendig (essenziell) sind und die wir über die Nahrung aufnehmen müssen. Außerdem liefern uns fetthaltige Nahrungsmittel auch die lebenswichtigen fettlöslichen Vitamine A, D, E und K – ganz ohne Fett geht es also nicht.

In der Praxis bedeutet das, in der Küche abwechselnd Öle wie Sonnenblumen-, Oliven-, Keim-, Raps- oder Distelöl zu benutzen. Pflanzenmargarine und Butter sollten Sie im Wechsel verzehren. Auch Seefisch (Makrele, Hering, Lachs) liefert wertvolle ungesättigte Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren), die besonders für die Entwicklung des kindlichen Nervensystems, der Netzhaut und des Gehirns wichtig sind. Weniger günstig sind harte Pflanzenfette (z.B. Kokos- und Palmkernfett) und gesättigte Fette aus tierischen Nahrungsmitteln (z.B. fette Wurst).

Grundsätzlich sollte die Fettauswahl in der Küche abwechslungsreich und insgesamt eher sparsam sein. Das gilt sowohl für Streichfett also auch für Koch- und Bratfett. Besonders muss man auf die vielen versteckten Fette achten, die – relativ unsichtbar – in den verschiedensten Nahrungsmitteln enthalten sind. Dass Wurst, Pommes frites und fetter Käse reich an Fett sind, weiß inzwischen fast jeder, doch auch leckere Versuchungen wie Schokolade, Chips, Gebäck, Saucen, Desserts und sogar Avocados sind gefährliche” Fettbomben “. Hier ist also Vorsicht geboten.

Und noch ein Tipp: Bei Fleisch, Fisch und Milchprodukten ist in den mageren Sorten besonders viel Eiweiß – bei niedrigem Fettgehalt – enthalten. Sie können also durch Bevorzugung von fettarmem Käse gleichzeitig dazu beitragen, auch Ihren erhöhten Proteinbedarf zu decken. Ihr Fettkonto wird aber niedrig gehalten, und außerdem nehmen Sie noch wertvolles Calcium auf, dass Sie und Ihr Kind dringend für gesunde Knochen und Zähne benötigen (s.u.).

Tipps zum sparsamen Umgang mit Fett:

Bei Milch und Milchprodukten (Joghurt, Käse) fettarme Sorten bevorzugen (Magerstufe, 30% F.i.Tr).
Fettrand von Fleisch und Schinken abschneiden.
Fettarme Wurst/ Aufschnitt kaufen.
Bei Ente, Gans und Hähnchen auf die Haut verzichten. Oder: Haut vor und wiederholt während des Bratens/ Grillens einstechen, damit das Fett heraustropfen kann (aber nicht hinterher für die Sauce verwenden!).
Koch- und Bratfett nur sehr wenig verwenden, Grillgut sparsam einpinseln.
Fettarme Garmethoden verwenden (beschichtete Pfanne, Bratbeutel/ -folie, Grill, Römertopf).
Beim Ei steckt das Fett (und Cholesterin) im Eigelb! Eiweiß ist fettarm!
Fett von Suppen und Saucen abschöpfen (im Kühlschrank erkalten lassen, ablöffeln oder in heißem Zustand durch Kaffeefilter oder Küchenpapier gießen).
Salate nicht mit Öl oder Mayonnaise anmachen, sondern ein Dressing aus Joghurt, Zitronensaft und Kräutern bereiten.
In Fett Gebratenes auf Küchenpapier” ablöschen “.
Nüsse und Avocado wegen ihres hohen Fettanteils nicht in großen Mengen essen.
Frittiertes und in Fett Ausgebackenes meiden.
Fleisch/ Fisch nicht panieren (die Panade saugt sich voll Fett).

Kohlenhydrate-Bedarf

Der Hauptanteil der Energie ist bevorzugt durch hochmolekulare Kohlenhydrate zu decken. Die DGE empfiehlt einen Anteil der Kohlenhydrate an der Energiemenge von mehr als 50%. Da kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel oft Träger wertvoller Begleitnährstoffe wie Mineralstoffe, Vitamine und Ballaststoffe sind, sollten Kohlenhydrate über bewusst ausgewählte Nahrungsmittel zugeführt werden. ”Leere“ Kohlenhydratträger wie Zucker, Weißmehl, Kuchen, Süßwaren oder Softdrinks sollten in der Ernährung Schwangerer und Stillender eher die Ausnahme darstellen. Zu bevorzugen sind dagegen Vollkornbrot, Müsli, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Salat. Diese Nahrungsmittel zeichnen sich durch eine hohe Nährstoffdichte aus und wirken durch ihren hohen Ballaststoffanteil zudem der während der Schwangerschaft oft auftretenden Stuhlverstopfung (Obstipation) entgegen.

Vitamin- und Mineralstoffbedarf

Vitamine und Mineralstoffe – lebensnotwendige Schutz-, Aufbau- und Regelstoffe – müssen während Schwangerschaft und Stillzeit in erhöhter Menge mit der Nahrung zugeführt werden (s. Tabelle). Sie sind maßgeblich am Ablauf der Körperfunktionen von Mutter und Kind (Stoffwechsel, Nerven, Leistungsfähigkeit) und am Aufbau von Zellen, Organen und Knochen beteiligt. Bei der Vitamin- und Mineralstoffzufuhr sollte also wirklich an ”für zwei“ gedacht werden! Da aber die gesamte Nahrungsmenge während der Schwangerschaft nur mäßig erhöht werden soll, muss die Auswahl der Lebensmittel sehr gezielt erfolgen, um den erhöhten Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen decken zu können. Schwangere sollten deshalb regelmäßig auf ihrem Speisezettel haben:

Vollkornprodukt
Kartoffeln, Hülsenfrüchte
Gemüse, Obst, Salat
Milcherzeugnisse
mageres Geflügel, Fleisch
Fisch
Soja, Hefe

Auf die Ausgewogenheit kommt es an: Eine abwechslungsreiche Auswahl von Lebensmitteln ist das A & O einer gesunden Ernährung – nicht nur während der Schwangerschaft. Nur eine vielseitige Zusammenstellung des Speiseplans gewährleistet eine optimale Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen. Denn kein einziges Nahrungsmittel enthält alle benötigten Bausteine gleichzeitig und noch dazu in der richtigen Menge und im richtigen Verhältnis!

Angesichts der besonderen Anforderungen an den Körper der Mutter durch den Fetus oder das Baby haben werdende und stillende Mütter einen gesteigerten Bedarf vor allem an den Vitaminen A, C, B 1, B 6 und Folsäure sowie an den Mineralien Eisen, Calcium, Jod und Magnesium. Diesen erhöhten Bedürfnissen muss Rechnung getragen werden. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung, bestehend aus tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln, kann in der Regel bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Folsäureprophylaxe über Tabletten, s.u.) auch den erhöhten Bedarf während der Schwangerschaft decken. Dazu muss man aber wissen, welche Vitamine und Mineralstoffe in welchen Nahrungsmitteln besonders reichlich vorkommen:

Vitamine – besonders gute Lieferanten
Vitamin A bzw. die Vorstufe Beta-Carotin Leber, Eigelb, Hering, Milch, Karotten, Aprikosen, rote/ gelbe Paprika, Melone. Der Verzehr von Leber sollte allerdings während der Schwangerschaft stark eingeschränkt bzw. besser ganz unterlassen werden, da wegen veränderter Tierfütterung in letzter Zeit extrem hohe Vitamin A-Gehalte in Leber festgestellt wurden. Zuviel Vitamin A kann (vor allem in der Frühschwangerschaft) zu Fehlbildungen beim Kind führen.
Vitamin D Fisch, Eigelb, Fleisch, Milcherzeugnisse, Leber (s.o.)
Vitamin E Pflanzenöl, Eigelb, Weizenkeime, Nüsse, Mais
Vitamin B 1 Schweinefleisch, Herz, Getreideflocken, Vollkornbrot, Hefe, ungeschälter Reis, Innereien, Nüsse
Vitamin B 2 Innereien, Hefe, Milch, Käse, Vollkornbrot, Grünkohl, Ei
Niacin Fleisch, Innereien, Wurst, Lachs, Makrele, Pilze, Vollkorn, Hefe
Vitamin B 6 Fleisch, Innereien, Hefe, Fisch, Eigelb, Milch, Käse
Vitamin B 12 Fleisch, Innereien, Fisch, Sauerkraut
Folsäure Ei, Hefe, Innereien, Gemüse, Salat, Vollkorn, Weizenkeime, Obst

Neuere Studien zeigen, dass ein Folsäuremangel bei der Mutter – vor allem in der Frühschwangerschaft – das Risiko für das Kind erhöht, Gehirn- und/oder Rückenmarksschädigungen (Neuralrohrdefekte) davon zu tragen. Eine ausreichende Folsäurezufuhr ist deshalb besonders wichtig. In Absprache mit dem Arzt sollte deshalb frühzeitig eine Supplementierung von mindestens 400 Mikrogramm durch Präparate erfolgen – möglichst bereits vor der Befruchtung (bei Frauen mit Kinderwunsch gleich nach dem Absetzen der Pille) bzw. direkt nach positivem Schwangerschaftstest. Dadurch wird das Risiko für Fehlbildungen beim Kind drastisch reduziert.
Mineralstoffe und Spurenelemente

Während der Schwangerschaft ist der Bedarf an diesen lebensnotwendigen Bau- und Reglerstoffen zum Teil stark erhöht. Eine mangelnde Zufuhr führt u.a. zu Störungen des Gewebestoffwechsels und kann zu Schäden der Mutter und des werdenden Kindes führen.

Vor allem Eisen – bei vielen jungen Frauen ohnehin ein” kritischer “, da zu wenig aufgenommener Nährstoff – muss während Schwangerschaft unbedingt in ausreichender Menge aufgenommen werden. Eisen ist wichtig für die Bildung der roten Blutkörperchen und damit für Sauerstofftransport und -versorgung, nicht nur der Mutter sondern auch des wachsenden Kindes. Eisen ist reichlich in Fleisch und Innereien enthalten (letztere maximal 1-mal pro 14 Tage verzehren, Leber während der Schwangerschaft gar nicht), aber auch in Eigelb, Vollkornflocken und -brot, Kartoffeln, Aprikosen, Spinat, schwarzen Johannisbeeren etc. Durch gleichzeitigen Verzehr von Fleisch und pflanzlichen Nahrungsmitteln kann man die Ausnutzung des Eisens aus letzteren verbessern; auch Vitamin C zeigt diese Wirkung. Dennoch kann im Einzelfall eine ärztlich verordnete Eisen-Supplementierung erforderlich sein.

Weitere Mineralstoffe und ihre wesentlichen Zufuhrmöglichkeiten:

Calcium: Milch, Milchprodukte, Käse, Hülsenfrüchte, Nüsse
Phosphor: Milch, Käse, Hefe, Fleisch, Getreide, Kartoffeln, Eier, Obst, Gemüse
Jod: Seefisch, jodiertes Speisesalz
Magnesium: Gemüse, Nüsse, Hefe, Obst
Zink: Fleisch, Fisch, Milch

Auch Calcium und Jod gehören zu den Nährstoffen, mit denen viele Schwangere nicht ausreichend versorgt sind. Deshalb kann hier in Absprache mit dem Arzt eine Ergänzung über Präparate nötig werden. Calciummangel führt beispielsweise zu Störungen im Knochen- und Zahnaufbau; Jodmangel kann beim Neugeboren Kropf oder gar Kretinismus (Schwachsinn) nach sich ziehen. Grundsätzlich sollte als Speisesalz nur angereichertes Jod-Fluor-Salz – seit Kurzem auch zusätzlich mit Folsäure angereichert – Verwendung finden. Lebensmittel mit Jodsalz sind zu bevorzugen.
Auch das ist wichtig!

Ausreichend trinken!

Schwangere sollten täglich mindestens 1,5 Liter, Stillende 2 Liter trinken. Zu bevorzugen sind Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees sowie Frucht- und Gemüsesäfte. Alkohol ist tabu; nach neueren Untersuchungen kann auch schon geringster Alkoholkonsum der Schwangeren zu nachweisbaren Hirnleistungsstörungen und geistigen Entwicklungsverzögerungen beim Kind führen. Kaffee und schwarzer Tee sind in normalen Mengen (2-4 Tassen pro Tag) erlaubt. Beim Mineralwasser sind die kochsalzarmen Sorten zu bevorzugen, vor allem wenn Wasseransammlungen in den Beinen zum Problem werden. Süße Limonaden oder Colagetränke liefern unnötige ”leere“ Kalorien und sollten nur ausnahmsweise getrunken werden. Besser sind verdünnte Fruchtsäfte.

Mehrere kleine Mahlzeiten

Die Verteilung der Nahrungsmenge auf mehrere kleine Mahlzeiten trägt zum Wohlbefinden und zur gleichmäßigen Nährstoffversorgung von Mutter und Kind bei. Besonders in fortgeschrittenem Schwangerschaftsstadium sind große Portionen oft unbekömmlich.
Bestimmte Lebensmittel meiden!

Blähende Gerichte belasten in den letzten Schwangerschaftsmonaten besonders stark; und während der Stillzeit können sie auch beim Baby zu Blähungen führen. Sie sind deshalb gegebenenfalls zu meiden. Gleiches gilt für sehr säurehaltige Obstsorten wie Zitrusfrüchte, welche unter Umständen zum Wundwerden des Kindes führen. Die Stillende sollte sie zunächst nur in kleinen Portionen verzehren und die Reaktion des Säuglings abwarten.

Nikotingenuss während Schwangerschaft und Stillzeit ist dem (werdenden) Kind abträglich und unbedingt zu meiden.

Zur Vermeidung von Toxoplasmose ist der Verzehr rohen Fleisches (z.B. Tatar), roher Eier und nicht pasteurisierter Rohmilch zu meiden, genauso wie zu enger Kontakt mit Haustieren (vor allem Katzen).
Fazit zur Ernährung während der Schwangerschaft

Bei dem während der Schwangerschaft nur gering erhöhten Energiebedarf und dem zum Teil um das Doppelte erhöhten Nährstoffbedarf, ist es ganz besonders wichtig, die tägliche Ernährung sorgfältig zusammenzustellen. Nur durch den abwechslungsreichen Verzehr von Nahrungsmitteln mit hoher Nährstoffdichte und weitgehenden Verzicht auf ”leere“ Kalorien ist dem hohen Anspruch dieser Lebensperiode Rechnung zu tragen. Eine entsprechend zusammengestellte Ernährung ist der beste Garant für Gesundheit und Wohlbefinden von Mutter und Kind. Sollte die ausreichende Bedarfsdeckung einzelner Nährstoffe über die Ernährung im Einzelfall nicht möglich sein (siehe oben), so gibt es in der Apotheke ein umfangreiches Sortiment an Ergänzungsprodukten. Der Einsatz sollte jedoch in jedem Fall mit dem Arzt abgesprochen sein.

Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.